Ökostrom

Für den Begriff „Ökostrom“ gibt es in Deutschland keine verbindliche Definition. Er ist nicht geschützt und zunächst kein Qualitätsbegriff.
Da nun jeder Anbieter sein Produkt “Ökostrom“ nennen könnte, werden in Deutschland Ökostromtarife besonders gekennzeichnet. Allerdings gibt es verschiedene Kennzeichnungen und damit auch Qualitätsunterschiede.

Ökostromzertifikate:

Durch Ökostrom-Zertifikate (auch Gütesiegel oder Label) wird versucht, den Markt für Ökostrom transparenter und die Qualität der Angebote überprüfbar zu machen. Man kann zwei Arten der Zertifizierung unterscheiden:

  1. die Erzeugungszertifizierung und
  2. die Ökostromproduktzertifizierung

Erzeugungszertifizierung:
Die Erzeugungszertifizierung bezieht sich immer auf Erzeugungsquellen und garantiert dem Abnehmer die Herkunft des Stroms aus erneuerbaren Energien. Diese Art der Zertifizierung wird in der Regel auf der Handelsebene und meist von Anbietern von Ökostromprodukten abgenommen.

Ökostromproduktzertifierung:
Ist ein Stromprodukt entsprechend der Ökostromproduktzertifizierung ausgewiesen, so verpflichtet sich der Anbieter, genauso viel Ökostrom in das Stromnetz einzuspeisen, wie seine Kunden entnehmen. Weil alle Verbraucher Strom aus demselben Verbundnetz beziehen und Strom physikalisch immer gleich ist, hat der Bezug von Ökostrom keine direkte Auswirkung auf den beim einzelnen Kunden gelieferten Strom.

 


Um ein Stromprodukt als „Ökostrom“ verkaufen zu dürfen, hat der Stromanbieter mehrere Möglichkeiten (welche auch kombiniert werden können):

  1. Ökostrom produzieren
  2. per Liefervertrag einkaufen
  3. handelbare Erzeugungszertifikate erwerben.

Vor allem in den letzten beiden Fällen wird Ökostrom dem Verbraucher erst mal nur auf dem Papier zugeordnet und dadurch den allgemeinen Stromkunden auf dem Papier entzogen. Solange mehr Kapazität aus sowieso schon existierenden Anlagen vorhanden ist, als nachgefragt wird, kommt es durch direkte oder indirekte Lieferverträge allein zu keiner ökologischen Verbesserung. So kommt es, dass der "Ökostromanteil" eines Kunden ohne Ökostromtarif geringer wird. Ein zusätzlicher Umweltnutzen wird erst durch Siegel, die u. a. zusätzliche Ausbauwirkungen einfordern, sichergestellt.
Besonders im dritten Fall betreibt der Anbieter eines "Ökostromproduktes" konventionelle Kraftwerke oder kauft "Graustrom" am Strommarkt und erwirbt zugleich von Ökostromproduzenten das Recht, desen Strom als „Ökostrom“ verkaufen zu dürfen. Der eigentliche Ökostromproduzent darf dann seinen Strom nicht mehr als „Ökostrom“ verkaufen, was aber durch Werbemaßnahmen verschleiert werden könnte.

Die wichtigsten Erzeugungszertifizierungen:

Insgesamt gibt es eine Vielzahl von Zertifikaten bzw. Gütesiegel:

  • RECS Zertifikate
  • ok-power Label
  • GrünerStromLabel
  • TÜV Zertifikate
  • Öko-Strom Label

An dieser Stelle kann kein erschöpfender Überblick und keine Bewertung aller Zertifikate bzw. Gütesiegel erfolgen (vergleiche Linkliste).
Vergleicht man auf Portalen, wie z. B. Verivox, die Stromanbieter, so erhält man eine Vielzahl von Ökostromprodukten. Mehrere Hundert  Stromversorger bieten inzwischen Ökostrom an, der allerdings aus ganz verschiedenen Quellen kommen kann: aus Sonne, Wind, Wasser - und manchmal auch aus Kohle- oder Atomkraftwerken.

Auf zwei Zertifikate sei etwas genauer eingegangen:

RECS Zertifikat:
Das RECS-System, das eines der bekannteren "Ökostromzertifikate" darstellt und international gehandelt wird, ist mitverantwortlich für die hohe Anzahl von "Ökostromprodukten. Die Abkürzung steht für „Renewable Energy Certificate System“ und ist Teil des "European Energy Certificate Systems" (EECS).
Die Zertifizierung funktioniert etwa so:
Ein Betreiber einer RECS-zertifizierten Anlage, z. B. großes Wasserkraftwerk, erhält für jede erzeugte kWh elektrischer Energie (Strom) RECS-Zertifikate. Dadurch wird der von den Kraftwerken produzierte Ökostrom virtuell in die Bestandteile "Öko" und "Strom" aufgeteilt und unabhängig voneinander veräußert. Der Strom des Wasserkraftwerkes landet als ganz normaler "Graustrom" im Netz, das Prädikat "Öko" wird, symbolisiert durch die RECS-Zertifikate, an Energiehändler verkauft, die ihr Angebot ohne großen Aufwand "veredeln" können.
Ein Betreiber z.B. eines norwegischen Wasserkraftwerkes, der für seinen Strom RECS-Zertifikate erhält, aber den Strom in Norwegen nicht als Ökostrom verkauft (weil dort ohnehin fast ausschliesslich Ökostrom produziert wird), kann die überschüssigen Zertifikate verkaufen, zum Beispiel an einen Kohle- oder Atomkraftwerksbetreiber (Im Gegenzug muss das Wasserkraftwerk seinen sauber produzierten Strom in konventionellen umbenennen.). Dieses Unternehmen, z. B. E.ON, erwirbt die Zertifikate und ist berechtigt einen Teil seines konventionellen Stromangebotes aus Atom- und Kohlekraftwerken als Ökostrom zu vermarkten.  Große Energiekonzerne etikettieren so ohne Wissen der Kunden ihren dreckigen Kohle- und Atomstrom um und waschen ihr Image grün. Ein Stromanbieter, der selbst keinen Ökostrom erzeugt, kann diese Zertifikate billig (Bruchteile von Cent pro kWh) erwerben und mit diesen dennoch Ökostrom anbieten. Der Effekt für die Umwelt ist in diesem Fall gleich null. Dies ist auch der Grund, weshalb RECS-Zertifikate von Umweltschützern kritisiert werden: Dem System wird Etikettenschwindel vorgeworfen.  Da das Angebot an Ökostrom mit RECS-Zertifikat weit höher ist als die Nachfrage, ist der Preis für ein Zertifikat sehr niedrig und die Umwandlung von konventionellem Strom in Ökostrom entsprechend billig.

(entnommen: Wikipedia)

 

TÜV SÜD Zertifikat:

Zitat aus Wikipedia - Ökostrom:

"TÜV SÜD Erzeugung EE

Qualitätszeichen für Strom aus 100 % erneuerbaren Energiequellen. Folgende Kriterien müssen erfüllt werden:

Qualität:

  • Produktion von Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen
  • Einhaltung der Legal Compliance
  • Zertifizierung der Nettostrommenge bei allen Energiesystemen
  • Vorliegen einer Herkunftsdeklaration mit genauen Angaben zu den Kraftwerken
  • Vorliegen einer Energiebilanzierung des produzierten und weiterverkauften Stromes
  • Verpflichtung zu einer nachhaltigen Unternehmenspolitik

Ökologische Kriterien:

  • Einhaltung der national geltenden Regelungen

Optionale Anforderungen:

  • Erzeugung EE+: Zusicherung von Arbeits- und Leistungszusagen
  • Erzeugung EE neu: Neuanlagenkriterien für Wasserkraftanlagen

Erzeugung EE+: Die Zertifizierung des Moduls „Erzeugung EE+“ (Zusicherung von Arbeits- und Leistungszusagen) kann im Normalfall nur für einen Anlagenpool erfolgen. Mit dem zertifizierten Anlagenpool ist der Zertifikatnehmer in der Lage dem Belieferten zuzusichern, dass der angefragte Fahrplan (Lastprofil) zu jedem Zeitpunkt mit dem Anlagenpool produziert werden kann. Die Einhaltung des Moduls „Erzeugung EE+“ ist insbesondere für die Belieferung von Ökostromprodukten geeignet, die nach dem TÜV SÜD Stromproduktstandard „EE02“ zertifiziert sind (Zertifizierung von Stromprodukten aus erneuerbaren Energien mit zeitgleicher Lieferung)."

 


Echter Umweltbeitrag zählt

 

Entscheidend ist die Frage, ob die Stromanbieter neue Wind-, Wasser-, Solar- oder Biomassekraftwerke bauen oder fördern. Denn nur ein Ökostromversorger, der auch neue Anlagen ans Netz bringt oder regional ökologisch erzeugten Strom auch regional vermarktet, verändert die Stromwirtschaft. Nur so wird schmutziger Strom verdrängt und ein Beitrag für eine dezentrale Energiewende geleistet. Der Ausbau des Ökostroms kostet Geld. Und nur wenn ein Teil der Stromrechnung für Neuanlagen aufgewendet wird, wird sich was verändern.


Weitere Links:

Wikipedia Ökostrom

Wikipedia RECS

Verivox

Stiftung Warentest